Die Abenteuer des David Balfour 1978 – Kidnapped – Les Aventures De David Balfour

- Regie: Jean Pierre Decourt
- Drehbuch: Walter Ulbrich und Peter Graham Scott
- Produktion: TELE München ZDF, TF 1, ORF, SRG
- Musik: Vladimir Cosma
- Erzähler: Erik Schumann
- David Balfour (Ekkehardt Belle)
- Catroina Drummond (Aude Landry)
- Lord Prestongrange (Patrick Allen)
- Ebenezer Balfour (Patrick Magee)
- James of the Glens (Bill Simpson)
- Hoseason (Bernhard Wicki)
- Barbara Grant (Jutta Speidel)
1.
Der siebzehnjährige David Balfour wird nach dem Tode seines Vaters 1751 zu seinem Onkel geschickt. In Schottland aber muß David um sein Leben fürchten. Der Onkel läßt ihn auf ein Schiff locken, um ihn nach Amerika zu entführen. David hat keine Chance zu fliehen. Da taucht überraschend der schottische Rebell Alan Breck an Bord auf. David und er machen gemeinsame Sache gegen den Kapitän.
2.
David konnte das sinkende Schiff rechtzeitig verlassen. Im Hochland erfährt er, daß sich sein Freund Alan im Hause des Vetters James Stewart aufhält. Auf dem Weg zu ihm wird David von Soldaten gefangengenommen. Man verdächtigt ihn der Beihilfe zum Mord.
3.
David geht zum Generalstaatsanwalt Lord Prestongrange, der als “befriedeter Schotte” der englischen Krone dient. Es gelingt David, ihn von seiner Unschuld an dem Mord an Colin Campbell zu überzeugen. Doch Lord Prestongrange nimmt Davids Aussage nicht zu Protokoll.
4.
Nach seiner Freilassung hat David sich vergeblich bemüht, James Stewart of the Glens zu retten. Da David bald in Holland sein Studium beginnt, möchte er sich von Cartiona Drummond verabschieden, doch sie scheint verschwunden zu sein.
Ekkehard Belle und Aude Landry
…nicht nur im Film waren sie ein Paar!
Aude Landry und Ekkehard Belle in “Die Abenteuer des David Balfour” 1978
Ein Bericht aus der IWZ vom November 1978
Abenteuer im schottischen Hochland
von Walter Gutermuth
Während die ARD in der Vorweihnachtszeit mit klassischen Literaturverfilmungen aufwartet, hält es das ZDF in dieser Zeit seit Jahren mit klassischen Abenteuerstoffen. Fast alles, was Rang und Namen hat, war schon mal dran: „Robinson Crusoe“, „Don Quichotte“, „Schatzinsel“, „Tom Sawyer“, „Lederstrumpf“, „Seewolf“, „Cagliostro“, „Zwei Jahre Ferien“, „Lockruf des Goldes“ und „Michael Strogoff“.
Diesmal hat Walter Ulbrich, Spezialist für die viergeteilten Tele-Abenteuer, einen weniger bekannten, aber nicht weniger viel versprechenden Stoff bildschirmgerecht aufbereitet: „Die Abenteuer des David Balfour“, 1886 von Robert Louis Stevenson unter Verwendung historischer Berichte vom schottischen Jakobiten-Aufstand (1746) zu Papier gebracht. „David Balfour“ half Stevenson endgültig aus permanenter Geldklemme und wurde ein früher „Bestseller“.
Auch die Fernsehfassung wird von ihren Produzenten für stark gehalten, nach Jahren eher verhaltenen Erfolges die ZDF-Vorweihnachtsreihe wieder an „Seewolf“-Popularität anknüpfen zu lassen. Produktionsleiter Padhraic O’Dochartaigh von der Münchner Tele-Film: „Eine Story, die vor Spannung knistert!“
Abenteuer-Stoffe aus der Weltliteratur, die gleiches von sich behaupten können, sind so zahlreich nicht. So kommt es, dass immer wieder die gleichen Autoren für die Drehbücher herhalten müssen: Daniel Defoe, Mark Twain, Jack London, Alexandre Dumas, Jules Verne, James F. Cooper, Robert Louis Stevenson. Doch auch diese Elite klassischer Abenteuer-Beschreiber ist für den Bildschirm nur begrenzt nutzbar.
Die Form des Fernseh-Vierteilers verlangt eine spezielle Dramaturgie der Handlungsführung. Für jede einzelne Folge muss ein dramatischer Höhepunkt zur Verfügung stehen. Die Handlung muss vier Eineinhalbstunden-Folgen „tragen“. Weil die literarische Vorlage für diesen Anspruch oft zu „Dünn“ ist, half sich Drehbuchautor Walter Ulbrich gelegentlich mit einem Trick: Er schrieb mehrere Geschichten zu einer einzigen zusammen.
Diese „Handlungsstopferei“ bekam dem Ruf der Vierteiler nicht. Besonders nach „Lockruf des Goldes“ attestierten Kritiker dem Handlungsrahmen Risse und Sprünge, Längen und dramaturgische Stolperstellen. Auch offizielle ZDF-Stellen monierten: „Man spürt, dass die Story nicht aus einem Guss ist!“ Das führte bei den Produzenten zu einer Denkpause. 1977 fiel der Weihnachts-Vierteiler ganz aus.
Dass „David Balfour“ in dramaturgischem Sinne ein strenger gehaltenes Ziehkind als die Vorgänger ist, wird von allen Beteiligten beifällig vermerkt. Besonders die anspruchsvollen Briten, mit der kommerziellen Fernsehgesellschaft „HTV“ (Cardiff) erstmals Partner im internationalen Vierteiler-Pool, sind von der Qualität des Filmes überzeugt. Ihr Vertrauen in die „Hochspannung“ der Story reicht so weit, dass sie „David Balfour“ als Serie von elf 30-Minuten Folgen servieren, Sonntags zur besten Sendezeit.
Um sicherzustellen, dass ein so urbritischer Stoff wie der Aufstand der Hochland-Schotten unter Edward Steward gegen die Engländer und seine blutige Niederschlagung sowie die daraus resultierenden jahrzehntelangen Verfolgungen und Familienfehden auch als Bildschirm-Epos den gehörigen insularen Touch erhielten, bestand „HTV“ beim Drehbuch auf einen britischen Co-Autor: Peter Graham Scott.
Die Mischung Ulbrich/Scott erwies sich als Glücksfall: ZDF-Serien-Betreuer Alfred Nathan: „Das Buch stimmt in jeder Nuance!“ Stevensons literarische Vorlage, nach historischen Aufzeichnungen des schottischen Pastors Robert Forbes zu einem gewaltigen Charaktergemälde der Zeit um 1750 und ihren Menschen ausgedeutet, bietet alle Zutaten zu einem dramatischen Erfolg.
Im Mittelpunkt steht der Mord, den schottische Rebellen an dem englandfreundlichen Schotten Colin Campbell of Glenure begehen. Der junge David Balfour, gerade siebzehn und den Mordanschlägen seines verräterischen Onkels entkommen, der ihn um sein Erbteil bringen will, gerät gegen seinen Willen in die Fehden zwischen den schottischen Hochländern, deren Aufstand (1746, Schlacht von Culloden) gerade niedergeschlagen worden ist, und den Engländern, die durch brutale Machtdemonstrationen den revolutionären Geist der Hochländer ein für allemal brechen wollen.
David verliebt sich in die Tochter des von Engländern gefangen gehaltenen Hochland-Anführers James More Drummond. Nach einer Kette von Abenteuern endet die Liebesgeschichte mit einem Happyend.
Obgleich Namen wie David McCallum, Patrick Allen, Patrick Magee, Aude Landry, Bernhard Wicki und Arthur Brauss die Besetzungsliste zieren, bekam ein weitgehend unbekannter Münchner Schauspieler die Titelrolle des Films: der 24jährige Ekkehardt Belle.
Für 1979 ist der Vorweihnachts-Vierteiler schon in Produktion. Titel: „Mathias Sandorf“ nach Jules Verne. Es geht um einen ungarischen Grafen, der 1848/49 nach der Revolution gegen Habsburg fliehen muss, im Orient zu einem Arzt mit magischen Fähigkeiten wird und eines Tages mit falschem Namen heimkehrt.
Walter Gutermuth

